ev. Kirche St. Johannes Schaprode

Eingangshafen der Christianisierung Rügens Spitzen

Elisabeth Lassen

Daten zur Kirche

Öffnungszeiten:

April - Oktober: täglich 08.30 - 18.30 Uhr

(im Winter auf Anfrage)

Ort: Schaprode
Kontakt: Tel.: 038309 1363

Schaprode (slaw. „Ort hinter der Furt“) ist neben Ralswiek einer der ältesten Häfen Rügens. Im 12. Jh. landeten hier mehrfach dänische Truppen zu ihren Eroberungs- und Christianisierungsversuchen.

Nach der Kapitulation der slawischen Tempelfestung Arkona am 15. Juni 1168 und der Übergabe der Hauptfestung Charenza, deren Standort sich nach neuesten Erkenntnissen nördlich von Trent (Burgwall Venz) befand, wurde Rügen dem dänischen Bistum Roeskilde zugeordnet. Rügenfürst Jaromar gründete das Bergener Kloster, bei dessen Ausstattung Schaprode 1193 erstmals erwähnt wird. Nach hölzernen Provisorien wurden zunächst vier romanische Kirchen erbaut - Bergen, Schaprode, Altenkirchen, Sagard. Schaprode war eine dänische Kolonie. Peter Bang, der Bischof von Roeskilde, und Andreas Erlandson, der Erzbischof von Lund, fanden bei ihren Kämpfen mit ihrem dänischen Königshaus ab 1259 zeitweise bei ihren Schaproder Verwandten Asyl. Letzterer verstarb hier kurz nach seiner Rehabilitierung 1274 und wurde im Dom zu Lund beigesetzt. 

Im Spätmittelalter führte eine der drei Rügener Wallfahrten nach Schaprode, wo eine Marienfigur verehrt wurde. 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg  fuhren in der Schwedenzeit (1648-1815) Schaproder Seefahrer mit ihren Segelschiffen bis nach Frankreich, Spanien und Italien. Die Segelschifffahrt und die Agrarkonjunktur im 18. Jh. ermöglichten die qualitätsvolle Barockausstattung durch Stralsunder Künstler.

Zum Äußeren: Das Kirchengebäude wurde A.13. Jh. dreischiffig im romanischen Stil als typisch norddeutscher Backsteinrohbau errichtet. 

Die ältesten Teile: Romanischer Chorraum mit Apsis. Über den Rundbogenfenstern der Apsis und dem Traufgesims des Chordaches ein gekreuzter Rundbogenfries mit Gesichtskonsolen. Die Lisenen an der Ostseite der Apsis enden in Köpfen aus Kalkstein. Das Langhaus ist nach einem Abbruch im 15. Jh. einschiffig umgebaut worden, kurz darauf die Nordvorhalle. Das ursprünglich zentral platzierte Dachtürmchen wurde 1666 durch einen Orkan zerstört und oberhalb des Westgiebels neu aufgebaut. 

Ausstattung: In den beiden Portalen an der Nordseite sind die ursprünglichen Türflügel aus Eichenholz erhalten, dicht benagelt mit Holzleisten und  mit eingelegten Andreaskreuzen, bedeutsam auch die in Holz gekapselten Schlösser. Die Spendentruhe entstammt dem 17.Jh.. In der Vorhalle ist eine Grabwange von 1658 aus Eichenholz erhalten. 

Die Triumphkreuzgruppe (um 1500) zeigt Maria und Johannes, den Namenspatron der Kirche, neben dem Gekreuzigten stehend. Auf den Endplatten des Kreuzes sind die Evangelistensymbole zu erkennen. Die Kanzel ist ein Werk des Barocks (wie auch Altar, Beichtstuhl, Patronatsloge und Taufständer), 1723 von dem Bildhauer Hans Broder und dem Maler Franz Rose aus Stralsund aus Eichen- und Lindenholz angefertigt. Trägerfigur ist Petrus. Am Kanzelkorb biblische Szenen: Jakobs Traum, Mose am brennenden Dornbusch, Mose empfängt die Zehn Gebote sowie die Verklärung Jesu. Die Darstellung Martin Luthers und Johannes Bugenhagens am Kanzelaufgang verweist auf die pommersche Reformationsgeschichte. Luther holt das Licht des Evangeliums unter dem Scheffel hervor.  Bugenhagen, der Reformator Norddeutschlands und Skandinaviens, zeigt die von ihm verfasste „Pommersche Kirchenordnung“.  Die Hand Gottes als des Herrn der Geschichte ragt aus den Wolken und verweist mit dem Spruchband auf den Landtag zu Treptow an der Rega (Hinterpommern) im Jahre 1534, auf dem die Einführung der Reformation in Pommern beschlossen wurde. Der Taufständer wurde 1721 von Hans Broder und Franz Rose geschaffen.

Während der gemauerte Altartisch aus der Zeit des 13./14. Jh. stammt, ist der Altaraufsatz im 1716 von Thomas Phalert aus Stralsund geschaffen worden und konnte bereits restauriert werden. Über der Altarplatte ist das letzte Abendmahl (Predella), in der Mitte eine Kreuzigungsszene, darüber eine Osterdarstellung, ganz oben der Pelikan als Christussymbol über der Fratze des Bösen dargestellt.  An den Seiten stehen die vier Evangelisten mit ihren Symbolen über Drachengestalten. Der Beichtstuhl wurde 1722 von Hans Broder und Franz Rose geschaffen. Interessant sind die Inschriften, z.B. „Siehe, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei“, „Der Mensch sieht auf den äußern Schein, Gott sieht auf das Herz allein.“ Die am Patronatsgestühl von 1742 dargestellten Wappen verdeutlichen die adligen Teil-Patronate, wobei in Schaprode – wie in den meisten Rügener Kirchen – letztendlich das landesherrliche Patronat für die Pfarrstellenbesetzung sorgte. Ein Epitaph (1716) an der Nordwand des Chores sowie mittelalterliche Grabplatten im Fußboden und in der Eingangshalle erinnern an Familie von Platen, deren Stammsitz das zur Kirchengemeinde Trent gehörige Gut Granskevitz ist. 

In der Nordostecke des Chores ist ein Sakramentshaus aus vorreformatorischer Zeit erhalten. Die 1895 von Guido Knauf aus Gotha errichtete zweimanualige Orgel wurde 2010 restauriert.Martin Holz