Münster Bad Doberan

Reichste mittelalterliche Ausstattung aller Zisterzienserkirchen europaweit Spitzen

M.Poley,St.Nikolai,Wismar

Daten zur Kirche

Öffnungszeiten:

Mai bis September

Montag bis Samstag 9.00 - 18.00

Sonntag und Feiertag 11.00 - 18.00

März, April und Oktober

Montag bis Samstag 10.00 - 17.00

Sonntag und Feiertag 11.00 - 17.00

November bis Februar

Montag bis Samstag 10.00 - 16.00

Sonntag und Feiertag 11.00 - 16.00

An Sonn- und Feiertagen ist um 9:30 Evangelischer Gottesdienst. Keine Besichtigung und Führung bis ca. 11:00

Ort: Bad Doberan
Kontakt: Tel.: 038203/62716

Auf der Europäischen Route der Backsteingotik im Nordosten Deutschlands, nahe der Hansestadt Rostock, liegt das Bad Doberaner Münster, die im 13. Jahrhundert

Landesherr Pribislav gründete auf Anraten des Zisterziensermönchs Berno aus Amelungsborn, dem späteren Bischof von Schwerin, 1171 das Zisterzienserkloster Althof bei Doberan. Es wurde 1179 zerstört und ab 1186 in Doberan neu errichtet. Von den Doberaner Mönchen gingen wichtige Impulse für die gesamte Entwicklung des zu christianisierenden und wirtschaftlich zu entwickelnden Mecklenburg aus. Diese Bedeutung wurde unterstrichen durch die Nutzung der Klosterkirche als Hauptgrablege des mecklenburgischen Herrscherhauses und schlug sich von jeher auch in der Architektur und Ausstattung nieder. Das heutige hochgotische Münster vereint Vorbilder des französischen Kathedralbaus und der norddeutschen Backsteinarchitektur mit dem zisterziensischen Gebot der Einfachheit, dem u. a. das Fehlen einer Turmanlage zuzuschreiben ist. Mit seinen Ausmaßen – ein 78 m langes Mittelschiff mit Kapellenkranz, ein 39 m langes Querschiff, eine Gewölbehöhe von bis zu 26,5 m und 24 gleichartige Pfeiler – zählt das Münster zu den beeindruckendsten Kirchenbauten im Ostseeraum. Dass das Doberaner Münster im Gegensatz zu anderen Gebäuden der Klosteranlage die Jahrhunderte relativ unbeschadet überstanden hat, ist ein Glücksfall. Die Mauern und auch die europaweit einmalige erhaltene hochgotische Ausstattung einer Zisterzienserkirche blieben nach dem Ende des 13. Jahrhunderts von Bränden und Raub weitestgehend verschont. 1553 sorgte ein herzogliches Verbot dafür, dass das Kloster nach der Reformation nicht abgerissen wurde. Marodierende schwedische Soldateska hatte es 1637/38 zwar auf die Kupfereindeckung des Daches abgesehen, und auch die silbernen Apostelfiguren der astronomischen Uhr und die Orgelpfeifen fielen ihr zum Opfer; die Kirche selbst jedoch nahm keinen größeren Schaden. Auch die Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommenen neugotischen Veränderungen konnten den Charakter der einstigen Klosterkirche, die seit 1564 den ersten hauptamtlichen lutherischen Pastor hatte, nicht grundlegend verändern. Ab 1964 ließ die DDR das vom Krieg verschonte Münster zwei Jahrzehnte lang umfassend sanieren und restaurieren, um es fortan an dritter Stelle ihres Rankings national bedeutender Denkmäler mit internationalem Kunstwert zu führen. Trotzdem war der bauliche Zustand nicht zufriedenstellend. Vor allem im Dachbereich und an einer Vielzahl der 70 Fenster wurden zum Jahrtausendwechsel Schäden konstatiert, ebenso wie an etlichen Ausstattungsstücken. 2002 begannen große Bauarbeiten und Restaurierungsmaßnahmen u. a. des Hochaltars, der Grabanlage im Chorumgang sowie zahlreicher mittelalterlicher Grabplatten und Epitaphien. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden im Jahr 2014 der Vierungsturm saniert, im Jahr 2015 der Westgiebel instand gesetzt, das Schlagwerk der Uhr wieder hergestellt sowie das Reiterstandbild weiter restauriert.


Zu den beeindruckenden Ausstattungsstücken der ehemaligen Klosterkirche zählen der Hochaltar, der Kelchschrank, die Marienfigur und die Grabplastik der dänischen Königin Margarete, alle aus der Zeit um 1300, sowie der Lettner-Kreuzaltar der Jahre 1360/70. Darüber hinaus beherbergt das Münster über 100 liturgisch und kunstgeschichtlich wertvolle Stücke, darunter einen der seltenen Mühlenaltäre. Jedem Besucher fällt sofort das über 9 m hohe Triumphkreuz des Kreuzaltars mit seinen in mittelalterlichem Grün gehaltenen Weinblättern ins Auge. Der Altar, zu dem einst eine übermannshohe Lettnerwand als Trennung zwischen Mönchs- und Laiengestühl gehörte, wurde wohl in einer böhmischen Werkstatt unter Mitwirkung des Meisters Bertram von Minden gefertigt und zeigt über 30 Bibelszenen. Diese sind in den Naturdarstellungen realistischer, als es bei älteren Altären der Fall ist, sodass der Doberaner Kreuzaltar eine Wendemarke für den norddeutschen Raum darstellt. Seine Entstehungszeit und die unterschiedlich gestalteten Seiten des Altars – Maria für die Mönche, Christus für die Laienbrüder – machen ihn zum wohl ältesten Szenenaltar in Norddeutschland.

 

Durch ihre Herkunft als Enkelin Heinrich Borwins II. wurde die dänische Königin Margarete († 1282) nach ihrem Tod in Rostock in der herzoglichen Grablege im Doberaner Münster beigesetzt. Die durch den realistischen Faltenwurf des Gewandes beeindruckende Grabplastik gilt als älteste Mecklenburg-Vorpommerns sowie international als älteste Frauengrabplastik des Zisterzienserordens. Die Doberaner Bronzeglocke von 1301 zählt zu den ältesten erhaltenen Glocken in Mecklenburg und wurde 2002 restauriert. Ihr zur Seite hing mindestens eine weitere Glocke, deren überlieferter Text sie ins frühe 14. Jahrhundert datiert. Sie wurde 1638 von jenen schwedischen Soldaten zerstört. Die Kirchenbücher sprechen noch von einer weiteren, 1390 gegossenen Glocke. Bei dieser könnte es sich um eine Schlagglocke der astronomischen Uhr gehandelt haben. Erst 1926 kam eine zweite Glocke zu der historischen von 1301 hinzu, die jedoch 1942 bereits wieder für Kriegszwecke eingeschmolzen wurde. 2011 entstanden zwei Neugüsse, sodass das Geläut, zusammen mit einer der Doberaner Kirchengemeinde nach dem 2. Weltkrieg für die Friedhofskapelle zugeführten kleinen Glocke aus dem 15. Jahrhundert, die Anfang 2015 aus konservatorischen Gründen in das Münster überführt wurde, nun aus vier Glocken besteht.

 

Die Orgel des Münsters ist ein Schuke-Neubau des Jahres 1980, der eine bis 1978 in Gebrauch befindliche Friese-Orgel von 1860 ersetzte. Das erste Instrument kam vermutlich nach der Reformation nach Doberan, wo das Münster ab 1564 als Pfarrkirche genutzt wurde. Um 1600 ließ der Mecklenburger Herzog eine weitere bzw. neue Orgel bauen, die nach einer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg repariert werden konnte und bis 1860 gespielt wurde. Rudimentär erhalten ist die einstige astronomische Uhr aus den Jahren um 1390, die vermutlich aus der Werkstatt von Nikolaus Lilienfeld stammte, dem ältesten bekannten Uhrmacher im Ostseeraum. Sie zeigte nicht nur die von der Helligkeit abhängenden ungleich langen biblischen Stunden an, die für die Mönche maßgeblich waren, sondern auch die allgemeine Zeit sowie verschiedene kosmische Konstellationen. Ihr Mechanismus wurde 1637 zerstört, Reste des Uhrwerks 1830 vernichtet. Das Zifferblatt blieb erhalten und hängt über dem Westeingang.

 

Der Doberaner Hochaltar gilt mit seiner Entstehungszeit um 1300 als ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte. Flügelaltäre hatten ihre Hochzeit vom 14. bis 16. Jahrhundert, als man dem gotischen Ideal folgend eine Einheit von Architektur, Plastik und Malerei anstrebte. Sie bestehen aus einer malerisch oder plastisch gestalteten Sockelzone, über der sich der feste, geschnitzte oder mit einem Gemälde geschmückte Teil des Altaraufsatzes erhebt. An seinen Seiten befinden sich ein oder mehrere Flügelpaare, die gewöhnlich geschlossen sind und ein bestimmtes Motiv abbilden. Zu hohen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten wurden die zumeist als Tafelgemälde gestalteten Flügel geöffnet und zeigten dem Anlass entsprechende Motive. Als oberer Abschluss findet sich gewöhnlich filigranes Schnitzwerk. Der Doberaner Altar zeigt Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Die zwischen 1300 und 1370 im Mittelschrein befindliche Marienfigur wurde Teil des Marienleuchters und ist mit diesem bis heute erhalten. Eine Silbermadonna und Heiligenbilder, die sich zwischen 1370 und der Reformation bzw. dem Dreißigjährigen Krieg im Mittelschrein befanden, sind verloren. Die heutige farbige Fassung des Altars und seine Wimpergarchitektur stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

Das Doberaner Münster ist ein einzigartiges Kirchengebäude von hohem internationalem Rang. Es birgt die reichste mittelalterliche Ausstattung aller Zisterzienserklosterkirchen europaweit.