Stadtkirche Stavenhagen Stavenhagen

Protestantischer Bau mit mittelalterlichem Marienaltar Spitzen

M.Poley,St.Nikolai,Wismar

Daten zur Kirche

Öffnungszeiten:

Mai - September: Mo. - Sa. 10.00 - 12.00 Uhr

Der Schlüssel kann bei geschlossener Kirche telefonisch erbeten werden 

Ort: Stavenhagen
Kontakt: Tel.: 039954 / 21675

Der Vorgänger der heutigen Stavenhagener Kirche war ein Fachwerkbau, der oft als »mittelalterlich« bezeichnet wird. Eine 1843 entdeckte und überlieferte Inschrift auf der Orgelempore belegt jedoch, dass die Kirche 1601 »an den sehr alten Turm neu wieder angebaut« wurde und damit – bis auf den Turm, der wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammte – nicht mehr mittelalterlich war. Diese Fachwerkkirche von 1601 wurde im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört und erfuhr auch danach etliche Reparaturen, so etwa 1661, 1669, 1682 und 1713. Trotzdem blieb ihr Zustand unbefriedigend, sodass an ihrer Stelle eine neue Kirche gebaut werden sollte.

Bis es so weit war, vergingen jedoch etliche Jahrzehnte. Ein Briefwechsel zwischen dem damaligen Pastor und dem Herzog berichtet für 1770 davon, dass »ein Riss und Anschlag zu einer neuen Kirche mit deren Erweiterung und Anlehnung eines neuen Kirchenhofes zu verfertigen und der Regierung einzusenden sei«. Drei Jahre später bewilligte der Landesherr vier Kollekten für den Neubau, dessen Grundsteinlegung schließlich im Sommer 1774 stattfand. Die Einweihung der Kirche konnte im Oktober 1782 gefeiert werden, nachdem der Herzog 810 Reichsmark in Gold »von den Kirchengeldern« für Altar und Orgel bewilligt hatte. 1790 war schließlich auch der Turm fertig gestellt, über dessen Maße die Gemeinde und der Landesherr durchaus verschiedene Meinungen hatten. Im Zuge des Neubaus entstandene Schulden bei der Ritzerower Kirchenkasse in Höhe von 2 000 Mark, die wohl nie abgezahlt werden konnten, und undurchsichtige Geschäfte des Schulrektors sorgten dafür, dass künftige Arbeiten an der Kirche und dem Pfarrhaus von der Gemeinde und dem jeweiligen Pastor zu finanzieren waren.

Das Innere des protestantischen Baus war bis 1972 durch eine zweigeschossige Empore geprägt, die im östlichen Kreuzarm nur eingeschossig war und dort den Altaraufbau mit dem Gemälde  einer Auferstehungsszene einbezog. Das vom damaligen Großherzog Friedrich Franz I. gestiftete Altargemälde stammt vom Mecklenburgischen Hofmaler Johann Heinrich Suhrlandt, der auch am monumentalen Altarbild der Ludwigsluster Stadtkirche mitgewirkt hat. Der Altar selbst entstand 1781 in einer Stavenhagener Tischlerei. 1972 wurde die obere Empore im Rahmen einer Dachsanierung abgetragen und seitdem nicht wieder aufgebaut.

Das älteste Ausstattungsstück der Stavenhagener Kirche ist ein geschnitzter Marienaltar aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der noch aus der ersten, wirklich mittelalterlichen Kirche stam- men dürfte. Er zeigt im Mittelteil die von Engeln umgebene Maria mit dem Jesuskind; in den Flügeln sind in drei Reihen Apostel, Heilige und Evangelisten dargestellt. Der Marienaltar stand seit dem Neubau der Stadtkirche Ende des 18. Jahrhunderts in der Kirche von Pribbenow und kehrte in den 1980er-Jahren nach Stavenhagen zurück, als die Pribbenower Kirche abgerissen wurde.

Etwas jünger ist die um 1600 gefertigte Holzkanzel mit Gemälden der vier Evangelisten, die aus dem Vorgängerbau in die heutige Kirche übernommen wurde.

Der 1782 in der Rostocker Werkstatt von Paul Schmidt gefertigte Orgelprospekt ist bis heute erhalten. 1861 erhielt die Kirche eine neu gebaute Lütkemüller-Orgel, die 2007 bis 2013 restauriert wurde. Die originalen Prospektpfeifen aus Zinn mussten 1917 zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Das gleiche Schicksal ereilte die beiden kleineren historischen Glocken, eine undatierte und eine von 1864. Nur die älteste, 1585 in Neubrandenburg gegossene Glocke ist erhalten; ihr zur Seite erklingt seit 1927 eine Glocke aus einer Lübecker Gießerei.

Seit den Sanierungen Anfang der 1970er-Jahre gab es nur vereinzelte Reparaturen. Vor dem Hintergrund des 750. Stavenhagener Stadtjubiläums hofft die Gemeinde nun, dass dringend notwendige Sanierungen in naher Zukunft möglich werden.